Seenot im Rettungsboot

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Seenot im Rettungsboot

Der Untertitel dieses Spieles sagt eigentlich schon alles aus. Er lautet: “Das basisdemokratische Katastrophenspiel”.

Kommen wir zuerst zur Katastrophe: Ein Schiff ist gesunken und alle Mitspieler versuchen nun, so viele ihrer 6 Männer wie möglich mit den Resttungsbooten ans rettende Eiland (genauer gesagt: die rettenden Inseln) zu bringen. Und um das zu erreichen, braucht man nicht etwa gutes Würfelglück oder die perfekte Strategie, sondern nur das, was auch Barack Obama geholfen hat: Überzeugung. Denn alles in diesem Spiel wird demokratisch entschieden, Jede Aktion wird unter allen Spielern abgestimmt und dann nach Mehrheitswillen (ok, nicht immer, siehe weiter unten) durchgeführt.

Dabei gibt es nicht wirklich viel zu entscheiden, pro Rune sind es genau drei Sachen:

1) Welches der 7 Rettungsboote (die nicht jeweils einem Spieler gehören, sondern Allgemeingut sind, weshalb normalerweise die Sitzveteilung bunt gemischt ist) soll ein Loch bekommen? Dem Laien wird es nicht bewusst sein, darum erwähne ich es mal: Löcher in Rettunsbooten sind nicht gut! Gar nicht gut. Darum sollte man tunlichst für Boote stimmen, in denen man nicht sitzt. Denn wenn es irgendwann einmal mehr Löcher als Menschen in einem Boot gibt, so sinkt dieses unweigerlich (denn jeder hat nur einen Eimer…) und nimmt alle Insassen mit ins tiefe Meer. Hinzu kommt noch: Die Löcher entstehen dummerweise genau da, wo die Sitze im Boot angebracht sind. Sollte es noch feinen freien Sitz geben, so wird dieser ab sofort als Loch umfunktioniert. Gibt es aber keinen freien Platz, so muss ein Insasse seinen Platz räumen (ja, das ist für ihn das Ende). Wer das ist, wird innerhalb des Bootes natürlich wieder demokratisch entschieden.

2) Welches Boot soll einen Schritt vorfahren. Es sind nur 3-4 Schritte (hier ist die Regel nicht ganz eindeutig) bis zum rettenden Ufer, das sollte eigentlich nicht so schwer sein. Dummerweise wird aber auch hier wieder demokratisch entschieden und so kann ein großer Vorsprung schnell dahinschmelzen, wenn das Bott nur noch von den Figuren eines Spielers besetzt ist (dieser wird dann auch vorwiegend mit Löchern zu kämpfen haben…)

3) Aus nicht näher erklärten Gründen steigt nun jeder Spieler reihum mit einer Figur aus dem Boot aus und anschließend (in umgekehrter Reihenfolge) wieder in ein anderes Boot ein. Wichtig ist, dass es sich um einen “anderes” Boot handeln muss. Was für den Spieler, der als letzter wieder einsteigen muss, nicht immer möglich ist, wenn die Spieler zuvor geschickt umhergeschwommen sind. Dann heißt es für diese Figur Abschied nehmen…

Bei der Abstimmung ist es allerdings nicht 100%ig demokratisch, da es als Figuren Seemänner und Matrosen gibt. Die Seemänner haben in ihrem Boot (z.B. wenn es darum geht, wer dem Loch platz machen soll) doppeltes Stimmrecht. Abgestimmt wird gleichzeitig und verdeckt mit Karten, die die Farben der Spieler anzeigen. Zusätzlich gibt es noch eine Kapitänskarte, mit der man sich (insgesamt dreimal im Spiel) über die Stimmen der anderen hinwegsetzen kann. Es sei denn, irgendwer spielt in der gleichen Runde auch eine Kapitänskarte, denn dann heben die sich wieder auf.

Man merkt: Hier geht es wieder einmal darum, einzuschätzen, was die anderen wohl machen und dann selber das richtige zu tun. Und vor allem vorher die anderen in wilden Diskussionen davon zu überzeugen, dass sie einen großen Fehler machen würden, wenn sie einem schaden.

Dieser Diskussionsteil ist das, was mir an dem Spiel gefällt. Ich liebe es, Leute gegeneinander aufzuspielen und sich selber irgendwie durchzumogeln. Leider ist das bei meinen Mitspielern bekannt, so dass ich meist bei allen das Ziel Nummer 1 bin, auch wenn ich gar keine Chancen mehr auf den Sieg habe. Da wird gerne nochmal nachgetreten, um sicherzugehen, dass das Monster auch ja nicht mehr zurückkommt….
Spaß macht es aber trotzdem und “Seenot im Rettungsboot” wird auch trotz den immer gleichen Abfolge und der nicht unbedingt kurzen Spieldauer nicht langweilig. Man muss natürlich die richtigen (diskussionsfreudigen) Mitspieler dabeihaben. Aber dann ist es ein Kracher.

Einziger Kritikpunkt: Matrosen und Seemäner sind nur über die Größe und Form zu unterscheiden. Wenn die Figuren aber im Boot sitzen, ist das kaum zu erkennen. Hier müsste noch nachgebessert werden. Ich wollte eigentlich immer mal gucken, ob ich denen irgendwie lustige Hüte besorgen kann…

Name: Seenot im Rettungsboot
Verlag: Argentum Verlag
Autor: Ronald Wettering
Spieler: 3-6
Dauer: 90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren
Gefällt mir, wenn: ich gerne diskutiere und meine Mitspieler ärger.
Positiv: auch für Spielemuffel, hoher Ärgerfaktor, passendes Thema.
Negativ: schwer zu unterscheidende Figuren und Farben auf den Karten.
Regeln: schnell erklärt, nach einer Runde verstanden

Für: Einsteiger, Fortgeschrittene, Vielspieler, Diskutierer

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4 Kommentare

  1. Ro sagt

    am 10. Juli 2008 @ 22:57

    Hmm. Irgendwie blieb mir genau dieses Spiel irgendwie nicht so wirklich in Erinnerung. Ich weiß genau, dass ich es mal gespielt hab’ – kann mich aber einfach nicht mehr daran erinnern. Ob das ein gutes Zeichen ist?

    Müssen wir unbedingt mal wieder spielen. Sonst kann ich das hier ja gar nicht werten ….. :mrgreen:

  2. Ramona sagt

    am 15. Dezember 2008 @ 14:56

    Ist doch ein tolles Spiel für lange, kalte Winterabende. Da kann man prima Heizung sparen, wenn hitzig diskutiert wird. Also bei uns ist das im Winter immer der Brüller, obwohl wir es schon länger nicht mehr gespielt haben. Wird Zeit, es mal wieder auszukramen ;)

  3. Heike sagt

    am 16. Januar 2009 @ 13:44

    Ein Brüller wird das Spiel nur dann, wenn man auch Leute da hat, die mit einem Diskutieren möchten. Ich habe da leider immer weniger davon. Meine geben zu schnell auf und ich diskutiere doch so gerne.

    Das Spiel an sich macht schon Spaß. Sommer wie Winter. Allerdings fällt mir auf, dass man immer weniger Leute findet, die das Spiel spielen möchten. Ist das bei euch auch so? Oder geht das nur mir so? Hat es jemand in diesem Jahr schon gespielt?

  4. Steffen sagt

    am 23. Januar 2009 @ 12:11

    Hehe cooles Spiel.
    Unter uns Studenten gibts da genug Gesprächsstoff ;)

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