Spiele für Informatiker

Es ist ja bekanntlich so, dass sich in der Zunft der Spieleerfinder sehr viele Mathematiker und Informatiker befinden. Denn um das Spiel wirklich ausgewogen, gerecht und bis zum Ende spannend zu bekommen, müssen alle Parameter exakt aufeinander abgestimmt sein und da ist eine solche Vorkenntnis eben hilfreich.

Aber Spiele “von Informatikern” sind ja nicht immer unbedingt Spiele “für Informatiker”. Aber genau denen werde ich mich hier jetzt heute einmal widmen.

Logische Gatter mit Domino-Steinen

Fangen wir aber mal ganz harmlos an: Jeder kennt sicher Domino und viele werden es auch nicht nur als Anlegespiel gespielt haben, sondern (wie man es dann später (oder früher, je nach Geburtsjahr) auch auf RTL an diversen Domino-Days bewundern durfte) auch als große Dominokette, die man dann genüsslich mit einem kleinen Fingerschnipsen beim Zusammenfallen beobachten konnte. Wir hatten damals einen ganzen Eimer solcher extra dafür gemachten Plastiksteine (mittlerweile würde ich dann aber zu den schickeren Holzsteinen im Leinensack greifen) und bauten die wildesten Parcours.

Aber was macht nun ein Informatiker, wenn er solche Steine in die Finger bekommt?
Er baut einfach mal OR-, AND- und XOR-Gatter nach. D.h. zwei Dominoketten laufen zusammen und im XOR-Gatter fällt die Ausgangskette nur um, wenn die Eingänge nicht beide (zeitgleich) angestoßen wurden:


C lernen für Kinder: C-Jump

Aber bis zu diesem Stadium ist es ein weiter Weg und da jeder mal klein anfängt gibt es mit “C-Jump” ein Spiel, dass Kindern die ersten Schritte in die Programmiersprache “C” (und damit in die Programmierlogik allgemein) erleichtern soll.

c-jump

Für ausgewachsene Informatiker ist das aber eher nichts, da der Code dann doch recht frei ausgelegt wird (wie man den Regeln und der FAQ entnehmen kann), lustig find ich es aber trotzdem…

(via coolestGadgets)


Wegoptimierung mit Robotern: Ricochet Robots

Was ich am Programmieren so toll finde, ist, dass man vor einem Problem sitzt und dieses erstmal nur in seinem Kopf grob zu lösen versucht. Dabei muss dann auch mal um die Ecke gedacht werden, es muss optimiert werden (jeder Informatikstudent war sicher irgendwann einmal mit Wegstreckenoptimierung beschäftigt) und dann ist das ganze auch noch relativ abstrakt.

Und genau all das gibt es in “Ricochet Robots“, einem Spiel für theoretisch unbegrenzt Spieler, in dem es darum geht, einen Roboter in möglichst wenigen Zügen von Punkt A zu Punkt B zu bekommen, wobei andere Roboter als Hilfe genommen werden dürfen.

ricochet

Sieht dann so aus: Auf dem Spielplan sind verschiedene Ziele markiert, von denen eines zufällig gewählt wird. Nun gilt es, einen bestimmten Roboter dort hin zu bekommen. Dafür dürfen alle Roboter gezogen werden. Ein Zug ist dabei: Laufe in eine der vier Richtungen bis du gegen eine Wand oder einen anderen Roboter läufst. In der Bewegung einfach stehenbleiben ist nicht, da der Roboter keine Bremsen hat. Darum reicht es auch nicht aus, nur über das Ziel drüber zu fahren, auch hier muss man stehen bleiben. Oft ist es dann so, dass man erstmal andere Roboter als Blocker platzieren muss, oder abwechselnd Roboter bedient.
Interessant wird das ganze nun dadurch, dass sich dieses ganze Roboterbewegen nur in den Köpfen der Spieler abspielt. Alle Spieler sitzen also um das Spielbrett rum und stellen sich gleichzeitig vor, wie man das denn nun am besten gelöst bekommt. Sobald ein Spieler eine Lösung hat,d ie ihm zusagt, nennt er laut die Zahl seiner Züge und eine Sanduhr wird umgedreht (1 Minute?). In der Zeit haben nun alle Spieler noch Zeit, weiter über das Problem nachzudenken und die Zugzahl zu unterbieten. Wer am Ende die niedrigste Zahl genannt hat, darf endlich mal einen Roboter in die Hand nehmen und den anderen seine Lösung präsentieren. Klappt es, bekommt er einen Punkt und es geht in die nächste Runde. Hier kann man das übrigens online ausprobieren (Informatiker programmieren ihre Spiele ja gerne nach, ich spreche da übrigens aus Erfahrung), der Charme bleibt da aber auf der Strecke…
Ich find das Spiel wirklich richtig klasse, da ich eh ein Freund von Knobelaufgaben bin und man hier ordentlich um die Ecke denken muss (das ganze kann dann noch durch Spezialwände gesteigert werden, die nur für Roboter bestimmter Farbe gelten und diese beim Auftreffen um 90 Grad ablenken). Allerdings ist es hier nicht wirklich leicht Mitspieler zu finden, da es auch eine Sache von Training ist und ein Neuling oft nicht wirklich mitkommt. Aber wo ich diese Zeilen hier tippe, kribbelt es mir echt unter den Fingern…
Und wenn es irgendwann doch mal zu langweilig werden sollte, kann man ja auch eine dieser 54 anderen Varianten ausprobieren, die noch einen weiteren Roboter (der dem Spiel beiliegt) mit einbeziehen.


Noch mehr Roboter, diesmal mit Interaktion: Robo Rally

Und wo wir schon bei Robotern sind: “Robo Rally” ist auch so ein Spiel, dass wie für Informatiker gemacht scheint. Hier gibt es mehrere varianten, wie man das Spiel spielen kann (“Capture the flag” im Team-Modus dürfte der angesprochenen Zielgruppe bekannt vorkommen), wir spielen eigentlich fast immer die “Checkpoints abfahren und als erster im ziel ankommen”-Variante.

roborally

Und zwar geht das dann so, dass jeder Spieler einen Roboter hat, den er in einer relativ variabel aufgebauten Fabrikhalle zu bestimmten Punkten steuern muss. Dafür hat er Karten auf der Hand, mit denen er seinen Roboter programmieren kann. Die da wären: Vorwärts gehen (1,2 oder 3 Schritte), Zurück gehen (1 Schritt), drehen (90, 180 und 270 Grad). Von seinen Handkarten muss nun jeder Spieler gleichzeitig 5 Karten in seiner gewünschten Reihenfolge verdeckt vor sich in die Programmeinheit legen. Ist das geschafft, kommt der Spaß: Alle Roboter arbeiten gleichzeitig ihr Programm ab (jeder Roboter zuerst die erste Karte, wobei ein aufgedruckter Wert da die Reihenfolge angibt, in der die einzelnen Roboter fahren), dann jeder die zweite und so weiter. Und dabei kommt es dann öfter mal vor, dass sich Roboter über den Weg laufen und dann vermutlich über den Spielplan schieben, was das vorher vom Spieler ausgedachte Programm zu einem Desaster werden lassen kann (oder er hat sich schon fast gedacht, dass er geschoben wird und das schon mit einprogrammiert). Noch schlimmer wird es dann, wenn man auf eins der vielen Förderbänder geschoben wird (oder versehentlich draufläuft, denn auch ohne böses Zutun der Mitspieler kommt nicht immer alles so, wie man es sich gedacht hat, da auch hier alle 5 Züge nur im Kopf geplant werden dürfen und da dann mal eine Drehung falsch berechnet oder ein Element auf dem Spielplan nicht beachtet wird) und man noch weiter vom eigentlichen Plan abkommt. Dann heißt es oft nur noch: Beten, dass man nicht in ein Loch fällt, oder zwischen Laserstrahlen kommt. Während das Loch den Roboter komplett zerstört und man am letzten Checkpoint wieder anfangen muss (so man denn noch ein Leben hat), sorgt der Laser für Schadenspunkte. Mehr Schadenspunkte sorgen für weniger Karten auf der Hand, aus denen man wählen kann, was dann gerne in noch mehr Schadenspunkt führt. Und das führt dann dazu, dass der Programmspeicher nicht mehr komplett gelöscht wird, sondern Karten für die nächste Runde liegen bleiben müssen, was in den aller seltensten Fällen gut geht. Aber man kann sich ja auch reparieren.
Ach ja. Jeder Roboter ist auch noch mit einem Laser ausgestattet, mit dem man andauernd auf andere Roboter schießt. Und wenn man will, kann man auch noch mit zusätzlichen Karten spielen, mit denen man seine Roboter ausbauen kann, so dass sie z.B. auch seitwärts gehen können.
Alles in allem ein fantastisches Spiel, welches eine unbedingte Empfehlung bekommt (auch, wenn es nur auf englisch zu haben ist, solange man nicht mit den Ausbaukarten spielt, ist das komplett egal, da gibt es außer der Anleitung nicht viel zu lesen). Kaufen! Spielen! Jetzt!


Schach mit Laser – die perfekte Kombination: Deflexion und Laser Battle

Wenn eben im Spiel von “Laser” die Rede war, dann meinte ich natürlich keinen echten Laser. Den muss man sich denken. Wenn man aber lieber mit echtem Laser spielen kann, wäre wohl Deflexion ein gutes Spiel. Da hatte ich hier schonmal drüber geschrieben. Passt hier auch ganz gut, da es früher ja auch mal ein sehr beliebtes Spiel gab, bei dem man Spiegel setzen muss, um ein bestimmtes Ziel mit einem Laser zu treffen. Un genauso ist Deflexion auch, quasi Schach (ja, nur für zwei Spieler) mit Spiegelfiguren und echten Laserstrahlen. Gibts leider nicht in Deutschland zu kaufen und ist dann mit den Versandkosten ganz schön teuer, aber evtl. taugt ja auch das Spiel “Laser Battle” was, das ich bei Amazon gefunden habe. Scheint ein ähnliches Prinzip zu haben.


IT Crowd empfiehlt: War On Terror

Fragt man sich, was für Spiele ein typischer Klischee-Informatiker wohl gerne spielt, kommt man an “IT Crowd” (wer es nicht kennt: Unbedingt ansehen!) sicher nicht vorbei, geht es in dieser urkomischen Serie doch um zwei Informatiker, wie sie nerdiger nicht sein können. Darum sind im Büro auch alle Möbel bis oben hin mit lauter Technik-Spielereien, Sammelfiguren, altem Computerschrott und mehr gefüllt (teilweise sogar von den Fans). Und natürlich auch mit Spielen:

itcrowd_spiele

Neben dem “Geheimnis der Abtei” (ein Deduktionsspiel ähnlich Cluedo, hat mir aber nicht ganz so zugesagt) und “Zug um Zug” (hier empfehle ich die “Zug um Zug Europa“-Ausgabe) gibt es da dann auch noch “War On Terror“, welches die beiden in einer Folge dann auch tatsächlich gespielt haben:

it-crowd_war_on_terror

Das war für mich dann der Auslöser, mich über das Spiel doch mal etwas mehr zu informieren (hatte vorher nur vage was von gehört) und war dann gleich begeistert, da da mein Humor ziemlich gut getroffen ist. Einfach mal auf der Webseite vorbeigucken, dort gibt es auch die kompletten Regeln zu lesen.

We live in complex times. Thankfully, we’ve been given clear labels that explain the refined and enlightened world of geo-politics: Terrorists, tyrants, evil, weapons of mass destruction. If you can follow Star Wars, you can understand the news.
Unfortunately, War on Terror, the boardgame isn’t so straightforward. In our world there is no black & white.
Deception is encouraged, hypocrisy is the norm and the only true ally is money. Empires fi ght empires, empires fight terrorists, empires fund terrorists and some empires even become terrorists.
Confusing and unfair? You bet it is. Luckily, it’s just a game…

Die Weltkarte als Spielplan zeigt schon an: Hier geht es darum, die Weltherrschaft zu erlangen. Leider ist das alles nicht mehr so leicht wie in der guten alten Risiko-zeit, denn immerhin leben wir in einer Welt, die von Terroristen aufgemischt wird. Und so gibt es die natürlich auch in diesem Spiel. Zudem kann sich jeder Spieler spontan dazu entscheiden, auch zu den Terroristen zu wechseln und dort (gemeinsam mit allen bisherigen Terroristen) gegen die “Guten” zu kämpfen.

evilUm das ganze noch realistischer zu machen, gibt es ein Glückrad, mit dem die Achse des Bösen ermittelt wird. Der entsprechende Spieler muss dann eine Skimaske aufsetzen, auf der groß “EVIL” steht und hat mit den Konsequenzen zu leben (die nicht nur negativ sind, denn wenn man eh schon als Schurke angesehen wird, darf man ja auch so richtig böse sein).

Ich hab das Spiel bisher nur einmal gespielt und da war der Eindruck ziemlich zwiespältig. Irgendwie war das ganze dann doch noch nicht richtig ausbalanciert. Aber die Macher arbeiten gerade fleißig an Version 2.sich mit dem Spiel nicht erwischen lassen, denn in Kent (Großbritannien) wurde es (mit anderen Sachen) konfisziert, da die Skimaske für kriminelle Machenschaften genutzt werden könnte. Hier die ganze News (via Boing Boing)


Vom Monitor auf den Tisch: Tetris Tower

tetrisUnd dann gibt es ja noch die analoge Umsetzung von einst digitalen Computerspielen. So gibt es zum Beispiel mit “Tetris Tower” ein Spiel, welches grob an “Vier gewinnt” erinnert und mit Tetris-Steinen gespielt wird.
Kleine Lampen geben dabei an, welches Teil als nächstes angelegt werden muss. Wird eine Reihe vervollständigt, kriegt der Spieler, der dafür den letzten Stein eingeworfen hat einen Punkt. Hab ich noch nicht gespielt und gerade erst bei meinen Recherchen entdeckt. Falls jemand Erfahrungen mit dem Teil hat, darf er sich gerne in den Kommentaren melden.
Ebenso wie alle anderen, die weitere Spieletipps für Informatiker haben.


Auch Google ist ein Spielzeug

Abschließend noch ein Blick weg von den Brettspielen, denn auch nur mit dem Internet kann man sich ja spielend beschäftigen, wie Robert von “a waste of words” hier zeigt: Die 10 lustigsten Gesellschaftsspiele der Google-Ära


1 Kommentar

  1. Chemie und Informatik in der Schule » Blog Archive » Netzfund: Spiele für Informatiker sagt

    am 10. August 2009 @ 12:02

    [...] der Suche für meinen nächsten Post gefunden: Brettspiele für Informatiker Kommentar (RSS) [...]

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