Tach, Post! (XXXII): Carcassonne

Heute bin ich mal multiblogorell. Eigentlich gibts die “Tach, Post!”-Reihe nur auf meinem privaten Blog DonsTag. Zum Start dieses Blogs hab ich mich dann aber nochmal an die Tastatur gesetzt und einen solchen Brief zum Spiele-Thema verfasst. Und darum gibts den heute hier (hey, ich brauch endlich mal Besucher hier…).
Für alle, die “Tach, Post!” nicht kennen, gibts eine kurze Erklärung: Ich schreibe Briefe an Firmen, die nicht wirklich ernst gemeint sind und meist völlig abstrus sind. Und dann antworten die Firmen hoffentlich.Länger erklärt ist das ganze hier, wo auch die vorherigen Briefe (man erkennt es an der römischen Zahl oben: Es gibt schon 31) verlinkt sind. Darunter ist auch ein anderer Spiele-Brief, den ich hier der Vollständigkeit halber auch noch verlinke. In dem Brief geht es um meine arme Oma, die die Altersempfehlung ihres Lieblingsspieles Malefiz überschreitet und nun ganz traurig ist.
Aber worum geht es in dem heutigen Brief? Ganz einfach, um dieses arme behinderte Carcassonne-Männchen:

behinderte Carcassonne-Figur

Und hier ist der Brief:

Hans im Glück Verlag
Birnauer Str. 15
80809 München

04.05.2007

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber ich muss gleich am Anfang mal etwas klar stellen, damit Sie nicht während Sie diesen Brief lesen einen hochroten Kopf kriegen, den halbgelesenen Brief zerknüllen und in den Papierkorb werfen. Denn damit wäre weder mir geholfen (schließlich werden Sie dann sicher auch nicht antworten) noch Ihnen (nicht dass da irgendwelche Äderchen platzen, wenn sich das Blut in Ihrem Kopf staut). Also möchte ich gleich mal festhalten: Ich bin ein sehr toleranter Mensch und bin gegen die Ausgrenzung von Behinderten.
So, jetzt sollten Sie mental gut vorbereitet sein und können auch den Rest des Briefes lesen, ohne Angst vor geplatzten Adern zu haben. Sieht nämlich echt nicht schick aus…

Mein Problem ist, dass ich Ihr Spiel Carcassonne momentan nicht in der vollen Besetzung spielen kann, sondern maximal vier Spieler an den Tisch bekomme. Anders wäre die Chancengleichheit nicht mehr gegeben. Warum? Ganz einfach: Einer der grünen Männchen hat eine leichte Behinderung an seinem rechten Bein. Ich bin kein Arzt und kann daher nicht diagnostizieren, um was es sich da genau handelt, würde es aber einfach mal als “Spitzwuchs” bezeichnen. Statt eine konstante Breite aufzuweisen, wird das Bein nach unten hin immer dünner, ein Fuß ist gar nicht mehr vorhanden.
So ist dieser nette Mann leider nicht voll einsetzbar, als Wegelagerer oder Ritter ist er nicht zu gebrauchen, er ist einfach nicht so flink und standfest wie die anderen. Da ist es nicht leicht, sein Gebiet zu verteidigen. Das einzige, was er gut kann, ist als Bauer faul auf der Wiese zu liegen. Darin ist er sogar viel besser als die anderen, ist ja auch logisch, weil er in seinem ganzen Leben nichts anderes gemacht hat. Und Spargelstechen geht mit dem Fuß sogar unglaublich gut, da macht dem so schnell keiner was nach.
Trotzdem lasse ich ungern jemanden grün spielen, da so ein einzelner Spezialmann ja schon eine Einschränkung ist. Bleibt der am Ende übrig, kann man ja nur noch einen Bauern aufs Feld bringen. Ich würde mich ja als Gastgeber selber anbieten, diese Last auf mich zu nehmen, spiele aber seit einer sehr schmerzhaften “Mensch ärgere dich nicht”-Niederlage grundsätzlich keine grüne Spielfiguren mehr.

Aber was will ich mit diesem Brief jetzt? Wie schon gesagt: Ich bin sicher niemand, der behinderte Mitmenschen ausgrenzen will und so ist es definitiv nicht mein Ziel, dass Sie mir einen Ersatz-Mann zuschicken. Das wäre wirklich sehr diskriminierend und die anderen Figuren haben ihn auch viel zu lieb gewonnen, um ihn einfach so abzuschieben. Nein, das geht nicht. Viel mehr wollte ich nachhören, was Sie so im Angebot haben, was dem armen grünen Mann sein Leben erleichtern könnte. Ich denke mit einem Gehstock oder einem Rollstuhl wäre da schon viel getan. Er sehnt sich wirklich danach, endlich mal einen Weg zu belagern. Wer immer das Unkraut am Wegesrand zupft, der will diesen Weg auch irgendwann mal einnehmen, das verstehen Sie sicher.

Ich hoffe Sie können mir und meinem kleinen Sorgenkind helfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Andreas Hallerbach

PS: Anbei ein Foto, damit Sie sich ein Bild von dem Bein machen können.

Heute kam dann die Antwort. Oder auch nicht, denn der Briefumschlag enthielt einzig und allein ein neues formschönes Carcassonne-Männchen. Schade…


9 Kommentare

  1. Schnitzel sagt

    am 9. Mai 2007 @ 07:49

    Kannst du die Schrift in den Blockqoute-Tags ein wenig dunkler machen? Hellgrau auf weiss ist sehr schlecht lesbar, finde ich.

  2. donvanone sagt

    am 9. Mai 2007 @ 09:15

    Ja, das hat mich gestern auch schon gestört. Da war ich aber zu müde…
    So besser?

  3. Daniel sagt

    am 9. Mai 2007 @ 11:07

    Ja, schon lesbarer. :-)

  4. birden sagt

    am 9. Mai 2007 @ 21:04

    schöner brief, und gute idee so was. war wohl reine verlegenheit, die lediglich materielle antwort. :-)

  5. Hanno sagt

    am 10. Mai 2007 @ 08:43

    Und was hast du jetzt gemacht? Den grünen Behinderten ausgegrenzt, abgeschoben, deportiert? Verheizt?
    Oder das neue Männle als Zivi eingesetzt?

    Oder hat jetzt der Grünspieler bei deinem Carcassonne einen entscheidenden Vorteil, weil er eine zumindest halbe zusätzliche Figur hat?

  6. donvanone sagt

    am 10. Mai 2007 @ 09:41

    Ganz ehrlich: Ich hab zwar ganze Menge Spiele, aber irgendwie weder Carcassonne noch die Siedler. Die hat ja jeder, da brauch ich die nicht selber auch noch kaufen…
    Die Krüppel-Figur kam von einem Nachbarn, der zufällig auf meinen Blog gestoßen ist und meinte, dass man da doch auch nen Brief schreiben könnte…
    Wie viele Briefe muss ich denen jetzt noch schreiben, um ein komplettes Spiel zu haben? :cool:

  7. Michael sagt

    am 4. Juli 2007 @ 15:20

    Super lustige Sache…Schade, dass vom Verlag nur eine Standard-Antwort zurückkam.

  8. planetwic.de » Blog Archiv » Tach, Post! (XXXII): Carcassonne sagt

    am 29. November 2007 @ 17:03

    [...] Und hier ist der Brief: (more…) [...]

  9. Indy sagt

    am 21. Dezember 2009 @ 11:48

    Na, dann schätze Dich mal glücklich, dass dein Spielfigürchen nur ein Hinkebeinchen hat – ich habe mir die Big Box gekauft und fand gar ein Figürchen ohne Beine…was ist das denn für ein Leben, denn der Körper nicht mal unter der Brust endet…mal von der biologischen Problematik abgesehen – was soll der arme denn machen…wenn der Schwarze Ritter bei “Ritter der Kokosnuss” schon anfangs so ausgesehen hätte wie nach dem Duell, da wäredoch keine Spannung aufgekommen…Wegelagerer? Naja, auch nicht wirklich…wirkt eher wie vom Ochsenkarren überfahren…

    Ich hab auch keinen Puls mehr gefunden – hoffen wir mal, dass der hansi im Glück auch mit einen neuen Spieler gibt, denn irgendwie bin ich es leid, von der besseren Hälfte zu hören, dass sie quasi mit nem halben Männchen weniger spielt ;-)

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